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„Gotthard Schettler verunziert Ehre von Falkenstein“

Horst-SelbigerDer Nazi-Arzt Gotthard Schettler soll nicht länger Ehrenbürger von Falkenstein sein dürfen. Dass sich Falkensteins Stadträte zu dem Schritt der Aberkennung durchringen, wünscht sich der Holocaust-Überlebende Horst Selbiger. Durch Schettlers hohen Einfluss auf die Ärzteschaft in der Bundesrepublik der 1970er Jahre wurde dem Halbjuden die Entschädigung versagt.

Von Cornelia Henze

Falkenstein/Berlin – „Ich bin erfreut, dass Besonnenheit unter den Stadträten eingekehrt ist, man den Namenszug Schettlers von der Turnhalle entfernt hat“, sagt Horst Selbiger erleichtert.

Das Ringen der Stadtväter mit der dunklen Vergangenheit ihres berühmten Sohnes, dem renommierten Arteriosklerose-Mediziners Prof. Gotthard Schettler, welche durch Medien ans Licht kamen, und eine ganze Stadt gespalten haben, das hat der fast 90-jährige Berliner in den vergangenen Wochen interessiert verfolgt. Nun denkt Horst Selbiger noch einen Schritt weiter, fordert die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Schettlers.

„Gotthard Schettler verunziert die Ehre von Falkenstein“, weist Selbiger auf die Nazi-braune Vita des 1917 in Falkenstein geborenen späteren Arztes hin. Ihm die Ehre abzuerkennen, führt Selbiger nicht in erster Linie zurück auf die Mitgliedschaft in der NSDAP, in die der Falkensteiner in jungen Jahren eintrat.

Schwerer wiegt sein großes Engagement als Gaustudentenführer in Thüringen und noch schwerer: Schettler hat seine antisemitische Geisteshaltung im Sinne der Nazi-Ideologie noch viele Jahre nach Kriegsende und Nazi-Diktatur fortgesetzt und sozusagen als „Gottvater in Weiß“ die Ärzteschaft beeinflusst und unter Druck gesetzt.

„Schettler war einer von den Nazis, die in der Bundesrepublik wieder zu lukrativen Posten kamen und die einfach weiter gemacht haben, als wäre nichts geschehen“, sagt Horst Selbiger aus eigener Erfahrung. Er, der als 14-Jähriger ab 1942 Zwangsarbeit verrichten musste und 1943 nur knapp einer Deportation in ein Konzentrationslager und damit dem Tod entging, musste in den 1970-er Jahren mit ansehen, wie eine ehemalige nationalsozialistische Elite in der BRD Recht sprach.

Von 1964 an kämpfte Horst Selbiger beim Entschädigungsamt Berlin um die Anerkennung als politisch und rassisch Verfolgter während der NS-Zeit, die er nach mehreren Gerichtsprozessen 1969 auch erhielt. Anders ging sein parallel dazu laufender Antrag auf Anerkennung seiner Gesundheitsschäden aus – dort spielte Gotthard Schettler eine unrühmliche Schlüsselrolle. Ein gewisser Facharzt Dr. Neye urteilte im Mai 1978, dass Selbigers Erkrankungen nicht mit dessen nationalsozialisischer Verfolgung zusammenhänge.

Dabei stützte sich Neye auf den medizinischen Übervater Schettler, der in dem Gutachten Selbigers Verfolgungsschäden mit diesenWorten anzweifelt: „Die jüdische Rasse scheint zu Gicht, Diabetes mellitus und familiärer Hypercholesterinämie.... zu neigen“.

Damit hatte Schettler den Stab über Horst Selbiger und wohl zahlreichen anderen, Entschädigung fordernden Holocaust-Opfern gebrochen. Entmutigt von den Urteilen der beiden Ärzte hatte Selbiger von da an den Kampf um die Anerkennung seiner gesundheitlichen Schäden aufgegeben. Er verzichtete darauf, in die dritte Instanz, dem Oberlandesgericht, zu gehen. „Später saßen da andere Leute. Keine Nazis.

Einige rieten mir, es noch einmal zu versuchen, aber ich hatte keine Kraft mehr.“ Verlustig gegangen ist ihm nicht nur die Gewissheit, dass die BRD seine Gesundheitsschäden durch NS-Schuld anerkennt – auch finanzielle Entschädigung blieb aus. Natürlich würde eine Entschädigungsrente helfen, sagt Selbiger rückblickend auf sein Leben. Nach dem Krieg machte er an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät in der DDR Abitur und wurde Journalist. 1964 ging er in den Westen, weil er auch in der DDR Verleumdungen und Berufsverbot ausgesetzt war. Dort führte er ein Tabakgeschäft und später ein Reisebüro.

Bis heute hadert Horst Selbiger damit, wie in der Bundesrepublik alten Nazis hofiert wurden und kommt zu dem Schluss: „Der Faschismus hat in Deutschland nie aufgehört.“ Er könne die allgemeine Aufregung nicht darüber verstehen, dass die AfD nun in den Bundestag eingezogen sei, säßen doch dort und in der Regierung seit 1949 Alt-Nazis als Minister und Abgeordnete.

Weshalb die Bundesrepublik Gotthard Schettler zwei Mal das Bundesverdienstkreuz verliehen hat, auch dazu hat der bekennende Jude aus Berlin seine eigene Meinung: „Die Orden hat er bekommen, weil er verhindert hat, dass die NS-Opfer eine Entschädigung bekommen. Der Staat hat eine Menge Geld gespart durch Leute wie Schettler.“

Für viele Holocaust-Opfer kam die Rehabilitierung durch den Staat zu spät – viele sind heute wie Selbiger hochbetagt oder gar schon tot. Selbiger wohnt heute, verwitwet und kinderlos, in Berlin. Seine Kinder seien die „Childs survivors“, die er 2001 mitgegründet habe und heu- te deren Ehrenvorsitzender ist.

Zusammengeschlossen haben sich dort jüdische Menschen, die als Kind vom NS-Regime verfolgt und geächtet wurden. Innerhalb dieser Organisation spricht Selbiger deutschlandweit in Schulen und vor anderen Anlässen von seinem Schicksal. Als nächstes ist er anlässlich seines 90. Geburtstages am 11. Januar im Jüdischen Museum Berlin zu Gast. Im März wird er auf der Buchmesse Leipzig sein Buch „Mein Leben – verfehmt, verfolgt, verraten“ vorstellen. Der Name Gotthard Schettler wird dort nicht fehlen.

2018-01-03




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