Gesundheitsmagazin "V-Aktiv"

Anzeigen

Stellenanzeigen_Teaser

Banner_Ratgeber



MediaMarkt

Das Wetter heute im Vogtland

Das Wetter im Vogtland

Kinowelt

Schlagzeilen von vogtland-sport.de

  Online-Magazin Plauen

Schon gehört?

  Probe-Abo

Meinungen und Vorschläge

Sie haben einen Leserbrief zu einem aktuellen Thema in unserer Zeitung? Dann schicken Sie diesen bitte direkt an unsere Redaktion. Auch wenn Sie einen Themenvorschlag aus dem Vogtland oder Kritik haben, können Sie uns informieren. redaktion@vogtland-anzeiger.de oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Täglich aktuelle Nachrichten

Vogtland-Anzeiger RSS-FEEDTäglich aktuelle Nachrichten bekommen Sie mit unserem RSS-Feed. Kopieren Sie einfach den Link in Ihren Feed-Reader oder legen Sie ihn als dynamisches Lesezeichen in Ihrem Browser an.

>> RSS-FEED: Vogtland-Anzeiger.de
>> RSS-FEED: Vogtland-Sport.de
>> Unsere Nachrichten auf Ihrer Seite
>> Service: Was ist RSS?

Vogtland-Anzeiger Newsletter

Aktuelle Meldungen aus Plauen und dem Vogtland per Mail. Abonnieren Sie kostenlos den Vogtland-Anzeiger Newsletter.

Tragen Sie hier Ihre Mailadresse ein:
Ihre Daten

Aktuelle Umfrage:

Aktuelle Umfrage: "Albtraum für die deutsche Wirtschaft?! Grenzkontrollen - Die Rufe zur Wiederaufnahme der innereuropäischen Grenzkontrollen angesichts der Flüchtlingskrise werden immer lauter. Sind Sie dafür? "



.

Bürgermarsch für Aleppo: Ein Plauener marschiert an der Spitze in Richtung Syrien

100117 PL_MarschSie haben keine Chance – aber die nutzen sie: Drei Dutzend Idealisten marschieren von Berlin nach Syrien, 3.300 Kilometer auf der „Flüchtlingsroute“ – nur andersrum. An der Spitze engagiert sich ein Vogtländer. Seine Frau hatte die Idee zum Marsch – für Frieden in Syrien und Hilfe für die Menschen in den belagerten Städten.

Von Uwe Faerber

Plauen/Schönfeld – Jeden Tag 20 Kilometer zu Fuß. Geschlafen wird in Turnhallen, im Gemeindesaal, in der Umkleide des Fußballvereins: Am zweiten Weihnachtsfeiertag starteten die Unentwegten in Berlin: „500 waren bei der Demo zu Beginn dabei“, sagt Thomas „Tom“ Alboth, der aus Plauen stammt. „Manche sind mit der S-Bahn wieder nach Hause, andere laufen die ganze Zeit mit, die Dritten machen abschnittsweise mit. Insgesamt zählten wir bisher Leute aus 16 Nationen.“

Alboths polnische Ehefrau Anna hat ein Manifest im Internet veröffentlicht: „Es ist Zeit zu handeln. Wir können nicht weiter vor unseren Laptops sitzen und nichts tun, behaupten, dass wir machtlos sind“, schrieb die Bloggerin und Journalistin, nachdem syrische Freunde vom Krieg in ihrer Heimat berichtet hatten, vom Tod in Aleppo, vom Verderbnis für ihr Volk.

Ehemann Tom: „Anna war fertig, sie hat geweint und dann im Internet verkündet: Ich gehe nach Aleppo.“ Am neunten Tag erreicht der Marsch das sächsische Schönfeld an der Grenze zu Brandenburg. Der Bürgermeister hat die Turnhalle klar gemacht: Die gut 30 Friedensaktivisten rollen ihre Schlafsäcke aus, Turnmatten werden zu Betten, das Ganze erinnert an Klassenfahrt, in einem riesigen Topf dampfen Spirelli und duften Würstchen.

Später sitzen alle im auf dem Hallenparkett: Deutsche, Franzosen, Polen – Menschen aus ganz Europa, meist zwischen 20 und 40 Jahren alt, Verkehrssprache ist Englisch: Eine junge Armenierin, die nach dem Ende der Sowjetunion selbst Flucht erlebt hat, spricht von der Hoffnung, die der Marsch versprüht: Die vom Krieg traumatisierten Menschen in Syrien fühlen sich nach ihren Worten wie Kinder, die von ihrer Mutter vergessen wurden. „Unser Marsch zeigt ihnen, dass wir sie nicht vergessen haben.“ Dafür gibt es Beifall.

In der Runde sitzt – uneingeladen – Sebastian Fischer. Der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete lobt die EU, die 80 Prozent der weltweiten Sozialausgaben zahlt – an zehn Prozent der Weltbevölkerung. Allerdings erinnere ihn die Gemeinschaft an einen Kochtopf, in dem alle Probleme verrührt würden. „Das kann nicht funktionieren.“ Problemlos vom Englischen ins Französische wechselnd erklärt Fischer einer Französin, dass Deutschland soziale Probleme habe – aber kleine im Vergleich zu Frankreich, wo fast jeder zweite Jugendliche arbeitslos sei.

Und trotzdem sei es unmöglich, dass jeder Flüchtling in Deutschland bleiben dürfe. „Nicht jeder kann integriert werden.“ Fischer bringt „postfaktische“ Facebook- Meldungen zur Sprache, wonach Aleppo-Marschierer 600 Euro erhielten – von Russland. Oder vom US-amerikanischen Pentagon? Oder dem britischen Geheimdienst MI6? Und der gelernte Koch bietet an, für alle Kartoffelsuppe zu kochen – solange der Tross durch seinen Wahlkreis zieht. Augenscheinlich schmeckt dem im Vogtland geborenen Christdemokraten, dass die Organisatoren des Marsches ohne ideologische Scheuklappen sind, das Flüchtlingsproblem nicht parteipolitisch instrumentalisieren.

„Stimmt“, sagt Tom Alboth. „Wir glauben an den Dialog – und reden mit allen. So habe man Reichsbürger getroffen, die verdattert reagiert hätten ob des angebotenen Dialogs. Ein Mitstreiter erinnert an eine Begegnung mit AFD-Mitgliedern, die wie die Zeugen Jehovas aufgetreten seien. Es ist weit nach Mitternacht, als die Leuchtstoffröhren der Turnhalle erlöschen. Bei Alboths wird gekuschelt, andernorts geflüstert – mit dem Nachbarn oder dem Smartphone. In der Nacht zersägen Schnarcher die Stille, eine Flasche fällt, ab und zu knarzt das Parkett, wenn einer zum Klo schleicht.

7 Uhr ist Wecken. Auf einer Biertischgarnitur hat sich ein buntes Durcheinander versammelt: ein Eimer gekochter Eier, eine Kiepe Brötchen, Brot, Käse und Wurst, Tetrapacks mit Saft und Milch, Marmelade und ein Glas Nutella. Ah und Oh, als zwei Männer einen großer Thermobehälter anschleppen – voll mit heißem Kaffee: Eine Spende, organisiert von der Schulsekretärin, die in der Kirchgemeinde die Orgel spielt.

Alle beginnen zu räumen wie Journalist Jon Jörgensen, der hautnah für eine kleine liberale Zeitung in Dänemark berichtet – „Mitte-Links wie die Taz in Deutschland“. Eigentlich sei er kein Reporter, sitze am Computer und redigiere. Aber als er vom Marsch hörte, wollte er dabei sein: „Ich bin fasziniert, was Wut bewirken kann: Keiner ist vorbereitet – aber mit diesem Engagement kann Großes entstehen.“

Überall wird gelegt und gefaltet, verstaut und gestopft. Auch Tom Alboth packt: „Wie einfach das geht – ohne Kinder.“ Die ersten Tage waren die beiden Töchter (5 und 7) der binationalen Ehe dabei, jetzt werden sie in Berlin von der polnischen Oma betreut. Beim Blick auf das Gewusel in der Turnhalle fügt der Vogtländer augenzwinkernd hinzu: „Erstaunlicherweise ist noch nichts weggekommen – immerhin sind einige Polen unter uns.“ Seine 32-jährige Ehefrau Anna hat davon nichts gehört und bekäme vermutlich einen Schmatzer, bevor sie protestieren könnte.

Alle schnüren ihre Rucksäcke, manche beladen die Begleitautos, einige stapeln die Turnmatten oder schwingen die Besen. 9 Uhr setzt sich die Marschkolonne in Bewegung – 22 Kilometer nach Moritzburg, angemeldet laut Versammlungsgesetz und die ganze Zeit begleitet von drei (!) Polizeiautos: eines vorneweg, eines hinterher, eines nebenher.

Haben die Behörden Angst vor Konflikten? Oder ist es eine Ehrerweisung? Die Aktivisten schwatzen: Die nach Berlin geflüchtete Bayerin redet mit dem Tischler, der Chef einer Internetagentur spricht mit der Journalistin der Sächsischen Zeitung, der Versicherungsmakler unterhält sich mit der Studentin aus Dresden, der Freiberufler fragt den Baumpfleger aus Nürnberg.

Und das Wetter zeigt sich vorerst gnädig: Gut für jene, die in Turnschuhen unterwegs sind, die Jeans tragen (statt Gor-Tex) und Mützen für schlafmützig halten. Erst am Nachmittag werden Schneeregen, Sturmböen und Kälte die Wanderung zur Tortur werden lassen. Doch zuvor wird Rast gemacht: Das Org-Team hat eine Mittagspause im Freizeitzentrum der Radeburger Heinrich-Zille-Schule organisiert:

Sechstklässler teilen Kartoffelsuppe (auf Wunsch vegetarisch) aus, es gibt Tee oder Kaffee – und Gespräche. Die Schüler stellen Fragen nach dem Woher und Wohin, erfahren, dass der Marsch via Tschechien, Österreich, die Balkanstaaten und Griechenland über die Türkei bis Syrien führen soll. Die Mädchen und Jungs testen dabei ihre Englischkenntnisse und befeuern die Hoffnung, dass sich das Interesse am Aleppo-Marsch entwickeln möge wie ein rollender Schneeball, der groß und größer wird.

Service

—————

www.civilmarch.org

2017-01-10




Vogtland-Anzeiger jetzt kostenlos testen

  Zeitung klein Täglich das ganze Vogtland in einer Zeitung und zum günstigsten Zeitungspreis in der Region: Lesen Sie den Vogtland-Anzeiger mit unserem Probeabo zwei Wochen völlig kostenlos. >> mehr dazu...



  • PDF
  • Sie können diese Seite versenden/ empfehlen
  • Druckversion dieser Seite
.
.

xxnoxx_zaehler