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Pro und Kontra: Hartenstein - Held oder Kriegsverbrecher?

Der aus Plauen stammende Korvettenkapitän Werner Hartenstein hat 1942 einen Teil der Schiffbrüchigen der von ihm versenkten Laconia gerettet und per Funkspruch Hilfe erbeten, die ihn selbst und sein U-Boot zum Ziel von US-Bombern werden ließ. Ist Hartenstein ein Held oder Kriegsverbrecher? Im Pro und Kontra äußern sich zwei Plauener: Kultur-Manager und Ex-Theater-Öffenlichkeitsarbeiter Christian Pöllmann sowie der ehemalige Zolloffizier und Lehrer Siegfried Wunderlich:

Pro: Der Plauener Kultur-Organisator Christian Pöllmann sieht Korvettenkapitän Werner Hartenstein positiv. "Er hat in einer Zeit Zivilcourage und Mut bewiesen, als es nicht so leicht war. Hartenstein hat Feinde aus dem Wasser gefischt, als der Krieg zunehmend entartet ist. Und dieses Verhalten war heldenhaft." Hartenstein habe menschlich gehandelt - trotz aller Widersprüche.

Pöllmann bezeichnet sich selbst als Kriegsgegner - und dazu hätten die Erzählungen seines Vaters maßgeblich beigetragen. "Mein Vater Alfred Pöllmann ist als E-Maschinen-Maat auf einem U-Boot im Zweiten Weltkrieg gewesen und hat zum Glück überlebt - im Gegensatz zu vielen, vielen anderen. Er war 1944 dabei, als vier deutsche U-Boote durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer sickerten. Zwei haben es geschafft. Diese Aktion spielt in dem berühmten U-Boot-Film ,Das Boot' eine Rolle. Östlich von Capri wurde das U-Boot meines Vaters von einem englisch-amerikanischen Flottenverband aufgebracht. Mein Vater kam mit dem Leben davon und war bis 1948 in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft."

Pöllmann ist es nach eigenem Bekunden wichtig, Geschichte in ihrer Widersprüchlichkeit zu zeigen - und aufzuarbeiten. Der Film "Laconia" helfe dabei. "Die Handlungen der Menschen damals müssen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden und wir müssen unsere Erkenntnisse weitergeben an die folgenden Generationen. Geschilderte Konflikte wie in ,Laconia' helfen, die Geschichte zu verstehen. Und das ist die Grundlage für das friedliche Zusammenleben der Völker. Denn das große Ziel ist, den Frieden zu erhalten."

Kontra: Siegfried Wunderlich ist gegen die Heroisierung eines faschistischen Kriegsverbrechers als den er Hartenstein sieht. Die Laconia-Versenkung sei beim Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg als Beispiel eines Kriegsverbrechens ausdrücklich genannt worden, sagt Wunderlich und fragt: "Was ist der Unterschied zwischen der Torpedierung der Laconia durch einen faschistischen U-Boot-Kapitän und der Torpedierung der ,Wilhelm Gustloff' durch einen sowjetischen U-Boot-Kapitän? Wenn zwei das Gleiche tun, dann ist das nicht das Gleiche. Denn der eine Befehlsgeber war ein hochgespielter ,humanistischer' faschistischer deutscher U-Boot-Kapitän, der ,nicht wissen konnte' (?), welches Schiff er auf den Meeresgrund schickte, während der andere ein ,bolschewistischer Untermensch' war, der ein Kriegsverbrechen befahl", sagt Wunderlich.

Der Plauener erinnert an ein anderes Ereignis: Am 4. Mai 1945 - vier Tage vor Kriegsende - als Großadmiral Karl Dönitz die bedingungslose Kapitulation Deutschlands erklärte, schickte die SS die Personendampfer Cap Arcona, Thielbeck, Deutschland und Athen, beladen mit 7000 bis 10 000 KZ-Häftlingen in die offene See der Kieler Bucht, um sie dort zu versenken und sich ihrer Opfer zu entledigen.

Durch eine Falschinformation britischer Kommandostellen übernahmen britische Kampfflugzeuge bedauerlicherweise diese Aufgabe und griffen die Dampfer mit Bomben und Bordwaffen an: Tausende tote KZ-Häftlinge als Ergebnis. Aber die Kampfflieger trifft keinerlei Schuld, obwohl sie sehr darunter litten. Übrigens war der Kommunist und großartige Schauspieler Erwin Geschonneck unter den Opfern, die gerettet werden konnten." ufa

2011-11-18




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