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Joachim Günther ruft zu Medienboykott auf

240112 GüntherDer vogtländische FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther hat seine Fraktionskollegen zu einem Medienboykott aufgerufen.

Theuma/Berlin - "Unmoralische" und "unfähige" Journalisten könnten leider nicht einfach zum Rücktritt aufgefordert werden, heißt es in einem Rundbrief, der auch auf Günthers Internetseite zu lesen ist. "Wohl aber kann man Zeitungen abbestellen, Radio- und Fernsehsender nicht mehr einschalten." Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) wies die pauschale Medienschelte des Politikers zurück.

Günther wirft den Medien einseitige Negativberichterstattung und gezielte Kampagnen vor, etwa gegen seine Partei oder gegen Bundespräsident Christian Wulff. Der Abgeordnete spricht von "Pressehetze" und "linksgrüner Hysterie-Berichterstattung". Der Deutsche Journalistenverband wertete Günthers Rundumschlag als Beweis für seine "Realitätsferne". In einem Deutschlandfunk-Interview stritt Günther ab, in seinem Schreiben zu einem Medienboykott aufgerufen zu haben.

Der frühere Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium und einstige sächsische FDP-Landesvorsitzende wirft den Medien vor, sie schürten Angst vor neuen Bauprojekten und der Kernkraft. Mit "bewusster Irreführung" der Leser werde über die Politik der FDP berichtet. Aktuell hetze die "Journalistenmeute" Bundespräsident Wulff wie einen "räudigen Fuchs" über sämtliche Titelblätter und durch alle Fernsehsendungen, weil er Vergünstigungen in Anspruch genommen haben soll.

Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken reagierte mit Unverständnis. Offenbar habe Günther trotz seiner herausgehobenen Position als Abgeordneter die Rolle der Medien in Berichterstattung, Bewertung und Kritik nicht verstanden. "Die Medien haben ihre Kernaufgaben in der Information und der Interpretation des gesellschaftlichen Geschehens". Wer ihnen das bestreite, gefährde die freie Meinungsäußerung.

Zur Begründung seines Schreibens sagte Günther im Deutschlandfunk, es gebe Stellen, wo man einmal laut und deutlich das sage, was sich in einem aufstaut. Auslöser sei das Interview von ARD und ZDF mit Bundespräsident Wulff Anfang Januar gewesen. Günther bestritt aber, zu einem Medienboykott aufgerufen zu haben. Jeder könne selbst über seine Mediennutzung entscheiden, sagte er.

Der Vogtland-Anzeiger fragte Günther, der auch Ehrenvorsitzender der vogtländischen Liberalen ist, nach seiner Meinung zu den Medien im Vogtland: "Wir sind im Vogtland in der komfortablen Situation, zwischen zwei regionalen Tageszeitungen wählen zu können. Ich lese beide mit Interesse. Außerdem bin ich froh, dass wir einen Rundfunksender in Plauen haben, der stets ausgewogen und aktuell aus dem Vogtland berichtet." epd

Was sagen vogtländische FDP-Parteikollegen zu den Vorwürfen?

Was sagen Günthers Parteikollegen über die Medienschelte ihres vogtländischen Ehrenvorsitzenden? Der Vogtland-Anzeiger fragte nach bei FDP-Mandatsträgern:

Sven Gerbeth, FDP-Fraktions-Chef im Plauener Stadtrat:

Die Presse-Schelte sehe ich nicht so. Ich würde in diesem Punkt zu mehr Gelassenheit raten. Die Medien sind frei in ihrer Berichterstattung. Und in der Vergangenheit haben sie auch oft sehr objektiv über unsere Partei berichtet.

Hans-Jürgen Schuster, FDP-Landtagsmitglied aus Plauen:

Ich kenne die Meinungsäußerung von Joachim Günther nicht und kann mich demzufolge nicht dazu äußern.

Martin Treeck, Stadtrat in Auerbach und Chef der vogtländischen FDP:

Es stimmt: Manche Medienleute sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, wie die Causa Wulff zeigt. Doch ich sehe das Problem differenzierter: Ich denke nicht, dass unsere Partei generell schlecht gemacht wird. Sicher tragen wir auch selbst Schuld an den Problemen: Schließlich hatten viele unserer Wähler nach der Bundestagswahl gehofft auf eine grundlegende Sanierung unseres Steuersystems und auf eine Diskussion, wie unser Sozialstaat werden soll. Doch am Ende ging es nur um Personalien: Wer nicht liefert, muss damit leben, dass er kritisiert wird. Was die lokalen Medien anbelangt, sehe ich objektive Berichterstattung.

Achim Schulz, FDP-Bürgermeister der Gemeinde Rosenbach:

Ich kenne Günthers Äußerungen nicht. Mein Verhältnis zu den lokalen Medien bezeichne ich als normal.

Dr. Detlef Schlott, FDP-Stadtrat in Bad Elster:

Im Lokalen gibt es mit den Medien keine Probleme, auf Bundesebene suchen die Medien oft "das Haar in der Suppe". Doch von einem Boykott halte ich nichts. Es wäre zu einfach, die FDP-Probleme den Medien in die Schuhe zu schieben. ufa

2012-01-24




Kommentar von _robert am 28.01.2012; 15:20:41 Uhr

Kommentar zu Joachim Günther (FDP) ruft zu Medienboykott auf

Wäre schön, wenn sich auch die letzten Unbelehrbahren aufraffen könnten, Herrn Günther und seine 3%-Partei bei den nächsten Wahlen zu boykottieren, denn die braucht keine S..

Kommentar zu Joachim Günther ruft zu Medienboykott auf?

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